Schmerzen, die während der Menstruation tagelang anhalten und bis zur Bewusstlosigkeit führen können, beeinträchtigte Leistungsfähigkeit sowie massive psychische Probleme: Jede zehnte Österreicherin (rund 300.000) im gebärfähigen Alter ist von der chronischen Krankheit Endometriose betroffen. Der Leidensdruck ist enorm. Im Schnitt dauert es neun Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird. “Es ist wirklich ein Behandlungsdschungel. Es herrscht viel Unwissenheit – bei den Patientinnen, aber auch bei den Ärzten”, sagt Sandra Hnat-Gerersdorfer, Obfrau der Österreichischen Endometriose-Vereinigung. Denn die Erkrankung, bei der gebärmutterähnliches Gewebe aus unbekannten Gründen auch im Bauchraum, Harnleiter oder in seltenen Fällen in Lunge und Gehirn wuchert, ist schwierig festzustellen.
Diagnose
Eine gesicherte Diagnose ist nur durch eine Bauchspiegelung samt Gewebeuntersuchung möglich – die allerdings nicht gerade zu den gynäkologischen Standarduntersuchungen zählt. “Die Schmerzen werden oft als normal abgetan, zumeist mit dem Hinweis, das werde sich nach der ersten Geburt bessern”, so Hnat-Gerersdorfer. Doch hier liegt das Problem: 70 Prozent der Frauen mit unfreiwillig unerfülltem Kinderwunsch leiden an Endometriose. Wer längere Zeit nicht auf natürlichem Wege schwanger werde, solle auch die Endometriose als mögliche Ursache berücksichtigen, betont Univ.-Prof. René Wenzl, Leiter der Endometriose-Ambulanz im Wiener AKH. Und gegebenenfalls auch rechtzeitig an die Option einer künstlichen Befruchtung denken.
Die Behandlung der unheilbaren, aber gutartigen Krankheit richtet sich nach der Ausprägung. Eine Option: Hormontherapien. Am häufigsten wird jedoch zu einer Operation geraten, bei der die Herde entfernt werden.
Für viele Frauen ist das die einzige Möglichkeit, noch auf natürlichem Wege schwanger zu werden. “Es gibt verschiedene OP-Methoden. Wichtig ist aber, dass es gut gemacht wird. Sonst entwickeln sich die Gewebeherde neu”, betont Hnat-Gerersdorfer, die selbst drei Mal auf dem Operationstisch landete. Doch auch durch den Lebensstil ist die Krankheit beeinflussbar. “Die Lebensführung ist wesentlich, das haben wir bei uns am AKH getestet”, sagt Wenzl. Hnat-Gerersdorfer: “Die klassische Mittelmeerdiät mit wenig tierischem Eiweiß, aber viel Obst und Gemüse wirkt entzündungshemmend. Auch Bewegung als Ausgleich hilft, da Stress die Schmerzen verstärkt.”
Zysten und Vernarbungen in Organen
Die Krankheit Hormonaktive Zellen siedeln sich auch außerhalb der Gebärmutter an, vorwiegend in Eierstöcken, Eileiter, Darm, Scheide, selten auch in Lunge oder Gehirn. Dieses Gewebe reagiert wie jenes innerhalb der Gebärmutter. Es blutet alle vier Wochen. Dadurch können Entzündungen, Zysten und Verwachsungen entstehen. Diese Herde können etwa bereits in den Eierstöcken den Eisprung verhindern oder bis zum kompletten Verschluss des Eileiters – und damit zu Unfruchtbarkeit – führen. Erst mit dem Wechsel endet auch die Endometriose.
Der Name Kommt vom lateinischen Wort für Gebärmutterschleimhaut – dem Endometrium -, die die Innenseite der Gebärmutter auskleidet.
Quelle: http://kurier.at/







