Bristol – Britische Ärzte haben eine ethisch umstrittene Stammzelltherapie erfolgreich zu Ende geführt. In Bristol wurde ein kleines Mädchen von einer Fanconi-Anämie geheilt.
Stammzellspender war ihr neugeborener Bruder, dessen Eignung per Präimplantationsdiagnostik sichergestellt worden war.
Der jetzt 18 Monate alte Max ist der „Saviour Sibling“ (zu deutsch Retter-Geschwister ) seiner neunjährigen Schwester Megan, die seit der Geburt an einer Fanconi-Anämie leidet.
Die Fanconi-Anämie ist eine Gruppe seltener genetischer Erkrankungen, die bereits in jungen Jahren zu einer Knochenmarkinsuffizienz führen kann, so auch bei der Patientin, die im Abstand von wenigen Wochen Bluttransfusionen benötigte und kaum noch über Abwehrkräfte verfügte.
Die Fanconi-Anämie kann durch eine Stammzelltherapie geheilt werden, doch ein Spender wurde nicht gefunden. Deshalb entschlossen sich die Eltern zu einer Präimplantationsdiagnostik (PID). Dabei wurde ein Embryo ausgewählt, der nicht den gleichen Gendefekt wie seine Schwester hat.
Die natürliche Chance ohne PID hätten bei der autosomal rezessiven Erkrankung 1 zu 4 betragen. In der IVF-Klinik CARE Fertility in Nottingham wurde bei insgesamt 6 Embryonen eine PID durchgeführt, zwei waren als Saviour Siblings geeignet und wurden in den Uterus der Mutter transferiert. Ein Kind, der Bruder Max, kam vor 18 Monaten gesund zur Welt.
Im Juli dieses Jahres fand dann am Royal Hospital for Sick Children in Bristol eine Knochenmarktransplantation statt, die offenbar gelungen ist. Das Mädchen, das am Addenbrookes Hospital in Cambridge weiterbetreut wird, sei wohlauf und habe seit der Transplantation keine weiteren Bluttransfusionen mehr benötigt, berichte der pädiatrische Hämatologe Mike Gattens. Das Kind sei vermutlich geheilt.
Es ist die erste derartige Behandlung seit die Human Fertilisation and Embryology Authority angekündigte, von Fall zu Fall eine Genehmigung zu erteilen. Im März 2003 war schon einmal ein Saviour Sibling in Großbritannien geboren worden.
Die PID war damals aber noch in den USA durchgeführt worden. Die weltweit erste Behandlung dieser Art wurde bereits 2001 in Minneapolis durchgeführt. In Spanien wurde im Oktober 2008 ein erstes „Retter-Geschwisterkind“ geboren.
Die Behandlung, die in Deutschland nicht erlaubt wäre, wird von Befürwortern als Beispiel für den Nutzen der PID genannt, da sie, wenn auch selten ein Menschenleben retten könne. Ethiker befürchten, dass das Kind psychische Schäden nehmen könnte, wenn es den „wahren“ Grund seiner Existenz erfahre.
Das jüngere Kind verdanke sein Leben einzig seinem „therapeutischen Nutzen“, kritisierte so die Lebensschützerin Josephine Quintaville von der Lobbygruppe Comment on Reproductive Ethics.
Der Manager der Care-Fertility-Klinik in Nottingham, in der die künstliche Befruchtung stattfand, verteidigte den Vorgang. „Wir versuchen, das Leben eines Kindes zu retten“, wird Simon Fishel zitiert. © rme/aerzteblatt.de
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