WEISSENBURG – Haus bauen, heiraten, Kinder kriegen. So lautet auch heute noch für viele der Dreiklang des persönlichen Glücks. Doch was tun, wenn sich gerade der letzte Wunsch nicht erfüllt, wenn die vielleicht schon vorhandenen Kinderzimmer leer bleiben, weil sich kein Nachwuchs einstellen will? Wie man dem Glück mit Reproduktionsmedizin auf die Sprünge helfen kann, darüber referiert am heutigen Mittwoch, 14. April, um 19.00 Uhr in der Kreisklinik Weißenburg Dr. Jan van Uem. Der Gynäkologe leitet in Erlangen die Praxis für assistierte Reproduktion. Der Titel seines Referats lautet: »Kindertraum für die Zukunft? Fertility on Ice macht es möglich». Wir haben vorab mit Dr. van Uem darüber gesprochen, was sich dahinter verbirgt.
Herr Dr. van Uem, Ihr Vortragstitel klingt fast ein wenig wie eine Eisrevue. Was verbirgt sich denn hinter der GmbH »Fertility on Ice»?
Dr. Jan van Uem: »Fertility on Ice heißt übersetzt: Fruchtbarkeit auf Eis. Das heißt, dass wir durch das Einfrieren von Eizellen mit Flüssigstickstoff die Fruchtbarkeit erhalten können und bezüglich der Qualität keine Einbußen haben. Das ist vor allem für Frauen interessant, die prinzipiell einen Kinderwunsch haben, sich diesen zum Beispiel aus Geld-, Berufs- oder Karrieregründen noch nicht erfüllen können oder wollen. Wenn die äußeren Rahmenbedingungen für eine Schwangerschaft dann endlich stimmen, ist es vielfach aber aus medizinischer und biologischer Sicht oft nicht mehr optimal, weil die Fruchtbarkeit der Frauen schon deutlich beeinträchtigt ist.»
Ab welchem Alter nimmt die Empfängnisbereitschaft denn rapide ab?
Van Uem: »Bei Frauen wird die Eizellenausbeute im Alter von rund 31 Jahren schlechter. Zudem nimmt ab diesem Alter auch das Risiko für Missbildungen zu. Meine Beobachtung ist, dass vielen Frauen diese Problematik gar nicht mehr bewusst ist, vielleicht ja auch beeinflusst durch Meldungen in den Medien, dass auch noch über 60-Jährige Kinder bekommen können. Aus medizinischer Sicht raten wir aber nur bis zu einem Alter von 45 Jahren zu einer Schwangerschaft.»
Welche Zielgruppe haben Sie denn vor Augen? Wer sollte sich Ihren Vortrag anhören und das präventive Einfrieren von Eizellen in Erwägung ziehen?
Van Uem: »Vor allem Frauen, die sicher wissen, dass sie sich Kinder wünschen, aber aufgrund äußerer Faktoren sich diesen Wunsch noch nicht erfüllen können. Diesen Frauen rate ich, sich Eizellen entnehmen und einfrieren zu lassen. Denn selbst wenn sie zum jetzigen Zeitpunkt eine gute Fertilitätsrate haben, lässt sich daraus keine Aussage für die Zukunft ableiten. Aber auch Patientinnen, die sich einer Krebstherapie unterziehen müssen, könnten sich vor der Strahlenbehandlung Eizellen entnehmen lassen, damit diese nicht geschädigt werden.»
Mit welchen Kosten ist die Entnahme von unbefruchteten Eizellen und das Einfrieren verbunden und wer kommt für die Kostenübernahme auf?
Van Uem: »Die Kosten belaufen sich auf 4000 bis 5000 Euro für Behandlung und Eizellenentnahme. Pro Jahr kommen dann für den Flüssigstickstoff, der ständig ausgetauscht werden muss, noch einmal rund 300 Euro hinzu. Die Kosten muss die Patientin zu 100 Prozent selbst tragen.»
Quelle: http://www.weissenburger-tagblatt.de/







