Beim Fortpflanzungsmedizingesetz soll kein Stein auf dem anderen bleiben.
Wien. Die Bioethikkommission fordert eine totale Reform des Fortpflanzungsmedizingesetzes. Ausschlaggebend ist die Position des Europäischen Gerichtshofs für Menscherechte (EGMR), der das geltende Verbot der Eizell- und Samenspende bei der künstlichen Befruchtung im Reagenzglas (IVF) kürzlich für menschenrechtswidrig befunden hat.
Zwei verheiratete Paare hatten Klage gegen dieses Verbot eingereicht – der österreichische Staat muss ihnen nun Schadenersatz von je 10.000 Euro zahlen. “Die Entscheidung macht eine Reform des Fortpflanzungsmedizingesetzes unausweichlich”, gab die Bioethikkommission am Dienstag bekannt. Der Gesetzgeber solle das Gerichtsurteil zum Anlass nehmen, auch andere Widersprüche im Fortpflanzungsmedizingesetz zu beseitigen.
Denn das in den 1980er Jahren erstellte und mehrmals novellierte Gesetz hinkt in vielen Teilen den Möglichkeiten der modernen Medizin hinterher. Laut Bioethikkommission müssten etwa überzählige Eizellen aus der künstlichen Befruchtung für die embryonale Stammzellenforschung freigegeben werden. “Derzeit müssen die Eizellen ausschließlich für die Fortpflanzung verwendet werden. Mediziner importieren daher Eizellen aus dem Ausland zu Forschungszwecken. Laut Mehrheitsbeschluss wäre es sinnvoller, auch an heimischen Eizellen zu forschen”, sagt Sprecherin Doris Wolfslehner.
Weiters solle der Passus zur Präimplantationsdiagnostik – das ist die genetische Untersuchung am befruchteten Embryo vor dem Einsetzen in den Mutterleib – einer Revision unterzogen werden. Da diese Form der Diagnose am befruchteten Mehrzeller verboten sei, werden nämlich dieselben Tests am Polkörper, einem Abfallprodukt der Eizelle, durchgeführt.
Ebenso soll diskutiert werden, ob sich künftig auch alleinstehende Frauen mit Hilfe von Samenspenden künstlich befruchten lassen sollen können.
Rein theoretisch muss die Regierung kein Gesetz aufgrund einer Entscheidung des EGMR ändern. Jedoch könnten viele Paare nun Klage einreichen. Das könnte den Staat ganz schön viel Geld kosten.
Quelle: http://www.wienerzeitung.at/







