Hoffen, Warten, Sparen: Seitdem der Zuschuss der Krankenkassen für künstliche Befruchtungen drastisch gekürzt wurde, bedeutet die ungewollte Kinderlosigkeit für betroffene Paare nicht nur eine enorme seelische, sondern auch finanzielle Belastung. Doch Sachsen-Anhalter können seit diesem Sommer finanzielle Unterstützung vom Land für solche Behandlungen erhalten. Ein Angebot, das rege genutzt wird: Vom Start Anfang Juli bis zum Dienstag stellten nach Angaben des Landesverwaltungsamtes 202 Paare einen Antrag auf Förderung. Bewilligt wurden 193 Anträge. Die Fördersumme beträgt damit bislang gut 180000 Euro. In diesem und im kommenden Jahr stehen im Landeshaushalt jeweils 250000 Euro bereit, um Paaren mit Hauptwohnsitz in Sachsen-Anhalt, bei denen der Kinderwunsch auf natürlichem Weg unerfüllt bleibt, zu Nachwuchs zu verhelfen.

Behandlung kostet tausende Euro

Die Paare, die nicht verheiratet sein müssen, können für den zweiten und dritten Versuch der künstlichen Befruchtung bis zu 900 Euro und für den vierten bis zu 1800 Euro vom Land erhalten. Für Betroffene ist das eine wichtige Hilfe auf dem Weg zum Wunschkind. Denn: Seit Januar 2004 übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die künstliche Befruchtung nur noch zur Hälfte und ab der vierten Behandlung gar nicht mehr – was sich damals prompt auf die Zahl der Behandlungen auswirkt: Um mehr als 40 Prozent sank diese bundesweit im Vergleich zu 2003. Zudem ist der Zuschuss der Krankenkassen nach dem Sozialgesetzbuch ausschließlich verheirateten Paaren vorbehalten. Ein Blick auf die Kosten von künstlichen Befruchtungen macht deutlich, dass daran manch ein Kinderwunsch scheitern kann. Nach Angaben des Magdeburger Sozialministeriums sind für die ersten drei Versuche jeweils 2700 bis 3600 Euro nötig, der vierte Versuch kann bis zu 5600 Euro kosten.

Sachsen-Anhalt ist laut Ministerium das erste Bundesland, das neben Ehepaaren auch nicht Verheirateten Unterstützung für die künstliche Befruchtung gewährt. Unter den 202 Paaren, die bislang einen Antrag stellten, waren dem Landesverwaltungsamt zufolge 26 nicht verheiratet.

Kassen sollen komplett zahlen

“Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, ungewollt kinderlose Paare bei der Finanzierung für notwendige Behandlungen zu unterstützen”, sagt Gesundheits- und Sozialminister Norbert Bischoff (SPD). Über die Kosten dürfe keine Sozialauswahl erfolgen. Zugleich bekräftigte er seine Forderung nach der Rückkehr zur vollständigen Finanzierung der künstlichen Befruchtung durch die Krankenversicherung, wie dies für die ersten vier Versuche bis zum Jahr 2004 galt.

Quelle: http://www.mz-web.de/

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