Single, Karriere, das Leben geniessen – die Gründe sind vielfältig, warum Frauen immer später gebären. Das Durchschnittsalter von Müttern in der Schweiz steigt jährlich um zwei Monate – in anderen westlichen Ländern ist die Situation ähnlich. Gefördert werde diese Entwicklung durch falsche Vorstellungen der eigenen Fertilität, hält eine laufende Untersuchung in Kanada fest.

«Viele Frauen glauben, ihre Gesundheit sei ein besserer Indikator für den Erfolg von Fruchtbarkeitsbehandlungen als ihr Alter», erklärte die Psychologin Judith Daniluk von Universität Britisch Kolumbien gegenüber der kanadischen Zeitung «National Post».

Viele wüssten nicht, dass die Behandlung einerseits sehr teuer sei und andererseits ein fortgeschrittenes Alter nicht vollends kompensiere.

Die Hälfte der Frauen möchte erstes Kind nach 30

Daniluk untersucht den Kinderwunsch von noch kinderlosen Frauen sowie ihre Kenntnisse zur Fertilität in einer laufenden Online-Umfrage. Bisher sind über 1000 Zuschriften eingegangen.

Knapp die Hälfte der Frauen möchte ihr erstes Kind zwischen 31 und 35. Fast ein Drittel will gar bis 36 warten – dies, obwohl den Frauen bewusst ist, dass das ideale Alter für eine Empfängnis wesentlich tiefer liegt.

Ein Drittel würde eine Leihmutter hinzuziehen

63 Prozent glauben, dass Fruchtbarkeitsbehandlungen den meisten Frauen vor der Menopause helfen, schwanger zu werden. Tatsache sei aber, dass der Behandlungserfolg nach 34 stark sinke. Bei den 46-Jährigen betrage die Erfolgsrate noch ungefähr ein Prozent.

Knapp ein Drittel der Befragten erklärte sich bereit, allenfalls auch eine Leihmutter zu engagieren.

Medienberichte fördern späten Kinderwunsch

Zum Phänomen beitragen dürften laut der Psychologin auch Medienberichte von älteren berühmten Müttern wie beispielsweise von der italienischen Rocksängerin Gianna Nannini, die mit 54 am Freitag ihre erste Tochter gebar.

Doch auch schlecht informierte Hausärzte könnten zum Missverständnis beitragen, sagte Judith Daniluk. Eine bessere Aufklärung der Frauen sei dringend nötig, um die aktuellen Grenzen von Fruchtbarkeitsbehandlungen aufzuzeigen.

49-Jährige will Eier «für später» einfrieren

Zudem fordert sie eine Änderung der Arbeitsbedingungen, damit Frauen früher Kinder bekommen können, ohne dass sie dabei ihre Karriere an den Nagel hängen müssen.

Ein Kollege Daniluks berichtet von einer 49-jährigen Patientin, die ihre Eier einfrieren wollte, weil sie sie «später vielleicht brauchen wolle». Es gebe auch viele Frauen, die verzweifelt seien über ihre falsch getroffenen Entscheide.

Daniluk beobachtet in ihrer Klinik einen markanten Wechsel des Patientenbildes. Waren es Mitte der 1990er vor allem Männer in heterosexuellen Beziehungen, die für Fruchtbarkeitsbehandlungen kamen, so bestehe heute ein Drittel aus Single-Frauen. Viele von ihnen hätten zu lange gewartet, um schwanger zu werden.

Quelle: http://www.tagesschau.sf.tv/

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