Reich wird man als Samenspender nicht, 70 Franken gibts pro Einsatz. Weshalb ein Mann trotzdem 70 Kinder in die Welt setzte und wie diese mit ihrer Zeugung umgehen, zeigte eine SF-Doku.
Kinder sind ein Geschenk Gottes. Oder der Natur. Oder der Reproduktionsmedizin. So kommen in der Schweiz mindestens tausend Kinder durch eine Samenspende zur Welt. Doch Samenspende ist in der Schweiz noch immer ein Tabu. Die Gründe dafür sind vielfältig. Da ist der verletzte Stolz des zeugungsunfähigen Vaters. Aber auch die Art und Weise, wie der Spender seinen Beitrag leistet: In einem WC-ähnlichen Zimmer einer Samenbank-Firma. Ein Waschbecken, ein Becher, daneben etwas, das aussieht wie ein Sexheftchen.
Auch für die Angehörigen des Spenders und jene des zeugungsunfähigen Mannes ist die Situation speziell. Etwa für die Grosseltern, die keinen biologischen Enkel haben. Oder die Ehefrau eines Spenders, der ausserehelich bereits mehrere Kinder gezeugt hat. Es sind solche Menschen, die der SF-Dokfilm «Die Kinder von der Samenbank» gestern porträtierte.
Zum Beispiel jenen Schweizer Spender, der schätzt, sieben Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Als Motivation nannte er «medizinisches Interesse und Geld». Wobei Letzteres infrage gestellt werden muss. Gerade mal 70 Franken kriegte er pro Samenspende. Rolf Lanz, Maurer und Vater zweier Kinder, wurde zum Samenspender, weil ihn die Vaterfreuden stolz machen. Houb, ein kinderloser Holländer, der einen etwas einsamen Eindruck macht und schätzungsweise 70 Kinder gezeugt hat, betont: «Ich mache es, um zu helfen.» Er mache aus seiner Identität auch kein Geheimnis, im Gegenteil: Er freue sich, wenn der Kontakt zu den Kindern aufrecht erhalten bleibe.
Anonymität aufgehoben
Womit wir beim Thema Anonymität wären, das der Film zu Recht in den Mittelpunkt stellte. In Samenbanken entstehen Kinder aus dem Eis. Einige lernen von klein auf damit umzugehen, zwei Väter zu haben. Anderen wird ihre Herkunft verschwiegen. In der Schweiz etwa wissen nur fünf Prozent der durch Samenspende gezeugten Kinder über ihre Situation Bescheid. Immerhin: Während Spender früher absolute Anonymität in Anspruch nehmen konnten, besteht seit 2001 ein Gesetz, das den Kindern bei Volljährigkeit die Möglichkeit gibt, ihren biologischen Vater kennen zulernen.
So weit, so fair. Allerdings setzt das Gesetz voraus, dass die Eltern ihr Kind über die Zeugungsart informiert haben. Genau hier aber kommt es zu einer moralisch heiklen Entscheidung: Soll das Kind überhaupt die Wahrheit erfahren? Und falls ja: Wann? Als Kind? In der Pubertät? Glaubt man den Betroffenen, die in der Doku zu Wort kamen, ist es entscheidend, Kinder möglichst früh aufzuklären. Auch wenn dies einen Kampf um die eigene Identität und mit der Justiz lostrete, sowie mit dem eigenartigen Bewusstsein, klinisch gezeugt worden zu sein.
Keine abschliessenden Antworten
Denn: Was geschieht, wenn das Kind durch Zufall herausfindet, dass ihm ein wichtiger Teil seiner Identität vorenthalten wurde? Wird dann die Verbitterung über die Lüge seiner Eltern nicht viel grösser sein als die Enttäuschung darüber, dass es den leiblichen Vater nie kennen lernen wird? Ausserdem kann das Hüten eines solchen Familiengeheimnis gerade für die Eltern und Grosseltern sehr belastend sein.
Feinfühlig warf der Film solche Fragen auf, die er löblicherweise nicht abschliessend zu beantworten versuchte. Stattdessen kamen Kinder von der Samenbank zu Wort, wie jene zwei deutschen Frauen, die den Verdacht hatten, Halbschwestern zu sein. Die beiden fanden sich übers Internet, nachdem sie gemerkt hatten, dass sie ähnlich aussehen und in der gleichen Praxis gezeugt wurden. Also veranlassten sie einen DNA-Test und öffneten vor laufender Kamera das Kuvert mit dem Labor-Bericht. Ergebnis: Sie teilen zwar das Schicksal – aber nicht den Erzeuger. Ihre Suche nach dem Vater geht weiter.
Quelle: http://www.derbund.ch/







