Seit mehr als zwei Jahren kämpft ein deutsches Ehepaar um seine Kinder. Die Zwillinge wurden in Indien ausgetragen – von einer Leihmutter. Weil das in Deutschland verboten ist, verweigerten die Behörden den Kindern bislang die Einreise. Jetzt sollen die Zwillinge doch die notwendigen Visa erhalten.
Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi
Gewartet, gehofft und noch viel mehr gebangt hatte ein deutsches Ehepaar seit mehr als zwei Jahren. Darauf, seine Zwillinge, die eine indische Leihmutter ausgetragen hatte, nach Deutschland bringen zu dürfen. Jetzt dürfte die Wartezeit vorbei sein.
“Zum Glück hat die deutsche Regierung den Kindern Visa gegeben, damit die nach Deutschland reisen können”, sagt die Anwältin des Vaters der Kinder, Kamini Jaiswal. Zu diesem Zweck sei es auch nötig, dass die Kinder eine Ausreisegenehmigung der indischen Regierung bekommen. Das sei ihnen zugesagt worden. “Jetzt steht es also fest, dass die Zwillinge auf der Grundlage dieser Dokumente nach Deutschland reisen können”, sagte Jaiswal dem ARD-Hörfunkstudio.
Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten
Und auch die deutsche Botschaft in Neu Delhi bestätigte: Ja, die Kinder dürfen in die Bundesrepublik reisen. Bereits Anfang 2008 waren die Zwillinge zur Welt gekommen – in Indien, ausgetragen von einer indischen Leihmutter. Weil aber Leihmutterschaft in Deutschland per Gesetz klipp und klar verboten ist, durften sie in das Heimatland ihrer Eltern nie einreisen.
“Ich fühle Erleichterung für die beiden Kinder, deren Schicksal lange in der Luft hing”, sagt Jaiswal. “Es ist für jeden sehr unglücklich, all die Zeit in einem fremden Land leben zu müssen, ohne zu wissen, was als nächstes passieren wird. Ich denke, es ist ein Erfolg und ich bin sehr glücklich, dass die Bundesregierung positiv reagiert hat, indem sie die Visa ausgestellt hat.”
Die indischen Behörden behandelten die Zwillinge stets als Deutsche. Die deutschen Behörden behandelten sie als Inder. Das Ergebnis: Die Kinder waren nichts von beidem, sie blieben staatenlos – und in Indien. Das Ehepaar aus Bayern führte einen aussichtslos scheinenden Kampf vor Gericht. Der Vater, der seinen Namen nicht nennen möchte, war zeitweise der Verzweiflung nah, aber nicht bereit, aufzugeben.
“Für ihn war das ein harter Fall, fern von seiner eigentlichen Berufung zu sein, in einem fernen Land leben zu müssen und seine Mutter hierher bringen zu müssen”, so Jaiswal. “Es muss sehr hart für ihn gewesen sein, sich immer wieder im Kreis zu bewegen mit der Bürokratie, wie sie nun mal ist in diesem Land. Ich hoffe, dass all seine Probleme nun so schnell wie möglich gelöst werden.”
Visa drei Monate lang gültig
Jetzt darf der Vater also mit den Zwillingen zurück nach Deutschland. Zu seiner Ehefrau, die in Bayern auf die drei wartet. Alle Probleme sind damit noch nicht gelöst, denn der Prozess der Adoption geht dann erst los. Die Visa der Kinder seien drei Monate lang gültig, erklärte die indische Anwältin des Vaters. Aber immerhin gebe es dann die Chance für sie, deutsche Staatsbürger zu werden.
Auch wenn das Drama um die Zwillinge tatsächlich bald zu Ende sein sollte: Schon vor Wochen hatte der Vater der Kinder im Interview mit dem ARD-Hörfunkstudio Südasien bekundet: Wenn er vorher gewusst hätte, was seine Familie würde durchmachen müssen, hätte er diesen Schritt nie getan.
Quelle: http://www.tagesschau.de/







