Embryo


Ein Ja mit vielen offenen Fragen

Die Frage, ob die Präimplantationsdiagnostik erlaubt wird, ist noch nicht restlos geklärt. Eine weitere Abstimmung zeichnet sich ab. Auch mit dieser wird die Diskussion nicht beendet sein.

In Sachen Fortpflanzungsmedizin bleibt sich die Schweiz treu. Vorlagen in diesem Bereich fanden in der Vergangenheit klare Mehrheiten. Das ist auch dieses Mal der Fall gewesen. Die Zustimmung zum revidierten Artikel 119 der Verfassung ist mit über 60 Prozent der Stimmen deutlich ausgefallen. Auch die Hürde des Ständemehrs wurde locker genommen. Nein stimmten lediglich einige traditionell konservative Kantone sowie – ganz knapp – Schaffhausen. Nur dort verfingen die Argumente von EVP, SVP, religiösen Gruppierungen sowie Behindertenorganisationen bei einer Mehrheit. Die Gegner warnten vor allfälligen Missbräuchen.

Umstrittenes Gesetz

Nun dürfen bei einer künstlichen Befruchtung so viele Embryonen entwickelt werden, wie für eine zweckmässige Behandlung notwendig sind (12 Stück) – und nicht mehr nur so viele, wie der Frau sofort eingesetzt werden können (3 Stück). Embryonen, die nicht verwendet worden sind, dürfen für eine spätere Behandlung eingefroren werden. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, um die bisher verbotene Präimplantationsdiagnostik (PID) erfolgreich durchzuführen.

Die Verlierer vom Sonntag geben allerdings nicht auf. Die EVP will das Referendum gegen das Fortpflanzungsmedizingesetz ergreifen, das im Parlament zusammen mit der Verfassung revidiert worden war. Erhält sie dabei Hilfe – etwa von Behindertenorganisationen –, sollte sie das Quorum von 50 000 Unterschriften innerhalb von 100 Tagen schaffen. Die EVP ist zuversichtlich, dass bei einer Abstimmung über das Gesetz das Nein-Lager grösser sein wird als am Sonntag. Viele, die für die Verfassungsänderung gestimmt hätten, lehnten das Gesetz ab, da es das Fuder überlade, ist die Berner EVP-Nationalrätin Marianne Streiff überzeugt.

Die SVP wird laut ihrem Präsidenten Toni Brunner das Referendum nicht unterstützen. SP-Präsident Christian Levrat geht davon aus, dass seiner Partei die neuen Regeln des Gesetzes zu weit gingen. Noch keine Prognose für seine Partei will CVP-Präsident Christophe Darbellay machen. Die FDP steht hinter dem neuen Gesetz.

Nun folgt die Eizellenspende

Die Befürworter der PID freuten sich derweil am Sonntag über das Abstimmungsresultat: Ein Nein wäre «ein fataler Entscheid» gewesen, da Paaren mit schweren Erbkrankheiten gesunde Kinder verweigert geblieben und Frauen und Kinder bei einer künstlichen Befruchtung weiter den höheren gesundheitlichen Risiken einer Mehrlingsschwangerschaft ausgesetzt gewesen wären, teilten sie mit. Bundesrat Alain Berset deutete das Resultat als ein Ja für eine fortschrittliche Fortpflanzungsmedizin innerhalb klarer Grenzen.

Die Diskussion über diese Grenzen wird mit oder ohne Referendumsabstimmung weitergehen. Die Zulassung der Eizellenspende und der Leihmutterschaft sind im Parlament bereits traktandiert. Auch die nationale Ethikkommission sprach sich bereits für die Aufhebung etlicher noch geltender Verbote in der Reproduktionsmedizin aus.

Quelle: http://www.nzz.ch


Wenn Samen und Eizellen zum Lebensinhalt werden

Seit 30 Jahren ist Christian De Geyter, Chefarzt am Basler Universitätsspital, auf dem Gebiet der Fortpflanzung tätig. Er gilt Europa weit als Koriphäe und darf als einziger das Geschlecht eines Kindes bestimmen, bevor dieses überhaupt gezeugt worden ist. Das Universitätsspital ist Anlaufstelle für viele verzweifelte Paare, die auf natürliche Art keine Kinder bekommen können. Für viele von ihnen ist Christian de Geyter die letzte Hoffnung.

00 Paare kommen pro Jahr aus diesem Grund ins Basler Unispital. Bei zwei Dritteln von ihnen ist die Behandlung erfolgreich: Die Frau wird schwanger – auf natürlichem oder künstlichem Weg. Bei den anderen bleibt der Kinderwunsch unerfüllt. Immer mehr Paare kämen auch aus dem Ausland, sagt Christian de Geyter gegenüber dem «Regionaljournal Basel» von Radio SRF.

« Das ist nicht Gott ins Handwerk pfuschen. »

Christian De Geyter
Reproduktionsmediziner

Christian de Geyter ist aber auch für etwas anderes bekannt. Er kann das Geschlecht des Kindes vor der Zeugung bestimmen – mit Hilfe eines riesigen Mikroskops. Diese Methode wird eingesetzt, um Erbkrankheiten, die auf dem X-Chromosom vererbt werden, nicht weiter zu vererben. Diese Methode ist nicht unbestritten. Kritiker werfen Christian de Geyter vor, er würde die Natur manipulieren.

Dieser wehrt sich gegen den Vorwurf: «Die Medizin ist extrem effizient geworden. Das ist auch ein Grund, warum wir heute 85 Jahre alt werden.» Er wehrt sich auch gegen Missbrauchsvorwürfe, denn von der Methode würden wirklich nur Paare profitieren, die nachweislich eine Krankheit in sich tragen würden und diese nicht auf das Kind vererben wollen. Der Mensch sei auch im Vergleich zum Tier sehr ineffizient, was die Befruchtung angehe: «Wir tun alles um selber weniger fruchtbar zu sein. Schon allein deshalb braucht es die Reproduktionsmedizin», sagt Christian de Geyter. Die Zahlen sprechen für diese Aussage: Heute ist das Durchschnittsalter der gebärenden Frauen bei 36 Jahren.

Ein gutes Gesetz ist Voraussetzung

Basis für die Arbeit von Christian de Geyter und seinem Team ist das Fortpflanzungsgesetz. Dieses ist 15 Jahre alt und nicht mehr aktuell. Die Politik ist zurzeit im Begriff, das Gesetz zu revidieren. Neu soll die Präimplantationsdiagnostik (PID) zugelassen werden. Dieser Punkt sei in der Gesetzesvorlage vom Bundesrat kaum umstritten, bestätigt auch die Basler Ständerätin Anita Fetz. Mehr Diskussionen lösen weitere Forderungen aus: Zum Beispiel soll die Eizellenspende zugelassen werden. Oder die Zahl der Embryonen soll nicht mehr begrenzt werden.

Politisches Engagement

Christian de Geyter ist ein Workoholic. Seine Tage sind oft länger als 12 Stunden, seine Arbeitswoche zählt sieben Tage. Doch neben dem täglichen Geschäft als Chefarzt am Unispital Basel, weibelt er zurzeit auch hinter den Kulissen für ein gutes Fortpflanzungsgesetz. Er setzt sich für ein gutes Gesetz ein, das den Wissenschaftlern mehr Freiheiten bietet, gleichzeitig aber auch den Missbrauch vermeidet.

Der Professor politisiert. Er erfüllt den Kinderwunsch. Er forscht. Ein Alltag, der an den Kräften zerrt. Darum wünscht sich Christian de Geyter manchmal in einen anderen Beruf: «Trämmlichauffeur. Ich stell mir das noch schön vor, mit dem Tram durch die Stadt zu fahren.»


Sanatorium Repromeda

Sanatorium REPROMEDASanatorium Repromeda

Zentrum für Reproduktionsmedizin und Präimplantationsdiagnostik Sanatorium REPROMEDA konzentriert sich seit 14  Jahren auf die Behandlung der Unfruchtbarkeit, wobei der Schwerpunkt auf Reproduktionsgenetik und Präimplantationsdiagnostik liegt. Dank modernsten Methoden und hervorragenden Ergebnissen im Bereich der Präimplantationsdiagnostik können wir auch den unfruchtbaren Paaren helfen, die schon ihre Hoffnung verloren haben, Eltern zu werden. Wir helfen auch denen, wo die Frau zwar schwanger werden kann, aber nicht im Stande ist, ein gesundes Kind auszutragen. Ihr Vertrauen und unsere Erfahrungen helfen uns, die richtige Behandlungsmethode für Sie zu finden.

Unsere Leistungen:

Eizellspende
Eizellspende gehört zu den erfolgreichen Behandlungsmethoden der weiblichen  Unfruchtbarkeit. Wir verfügen über eine umfangreiche Database von eigenen Eizellspenderinnen. Dies ermöglicht uns ein perfektes Übereinstimmen mit den Eizellspendenempfängerinnen. Die Eizellspende in Tschechien ist anonym.
Die Frauen, bei denen ist es nicht möglich, eigene Eizellen (sie haben keine Eierstöcke, die Frauen mit vorzeigt ausgegangener Tätigkeit der Ovarien, mit Genfehlern, die mit Hilfe der genetischen Präimplantationsdiagnostik nicht gelöst werden können) zu gewinnen oder zu verwenden, können nach einer Hormonbehandlung mit Hilfe der gespendeten Eizellen schwanger werden. Die Eizellen werden durch die Partnerspermien, beziehungsweise durch die Spenderspermien befruchtet.

Unsere Erfolgsraten bei IVF Zyklen mit Eizellspende: 45,5%

Time-lapsed  Monitoring von Embryonen

Die computergesteuerte kontinuierliche Überwachung der Embryonen vermittelt uns die Dynamik der Entwicklung von Embryonen. Die digitalen Aufnahmen werden analysiert und die Auswahl der zum Transfer bestimmten Embryonen verläuft also ganz objektiv. Dank dieser Beurteilung von Embryonen kann man zum Transfer mit voller Verantwortung nur einen Embryo auswählen uns so eine mit vielen Risiken verbundene Mehrlingsschwangerschaft vermeiden.

Wir transferieren bei 80% der IVF-Zyklen nur 1 Embryo!


Methoden der Präimplantationsdiagnostik erhöhen die Chance auf ein gesundes Kind!

Die PID (PGD) ist zurzeit die einzige präventive Methode, die uns ermöglicht, die Diagnostik von Entwicklungsfehlern oder erblichen Erkrankung schon im Stadium eines Embryos durchzuführen. So ein überprüfter Embryo hat dann eine sehr hohe Chance, gut empfangen zu werden und sich zu einer „ gesunden Schwangerschaft“ zu verwandeln.
Ein wesentlicher Vorteil der PID (PGD) besteht auch darin, dass dadurch ein Schwangerschaftsabbruch und damit verbundene psychische Belastung für das ganze Elternpaar und seine näherstehe Umgebung vermeiden werden kann.
Unsere Erfolgsraten bei PID –Zyklen: 66,7%

Wir sind die PID (PGD) Spezialisten
Zurzeit gehören wir zu den führenden PID (PGD) Spezialisten europaweit. Wir anwenden immer die modernsten Methoden, verfügen über ein eigenes genetisches Labor und sind stolz auf unseren Team der Spezialisten. Im Jahr 2000 durchführten wir als das erste Zentrum der Mittel- und Osteuropa unseren ersten IVF-Zyklus mit Anwendung der PGD- Methode (FISH). 2012 akkreditierten wir als das erste Zentrum in der Welt die neue PGS Methode CGH array– genetisches Screening  von Embryonen mit Hilfe von Mikrochips (BlueGnome).
Wann ist die genetische Präimplantationsdiagnostik empfehlenswert?

  • Höheres Alter der Frau bzw. des Mannes
  • Wiederholte Aborte
  • Erbliche Krankheiten in der Familie
  • Chromosomale Translokationen

Unsere Leistungen in PGD:

  • PGS – genetisches Screening der Aneuploidität  an 24 Chromosomen (CGH array)
  • PGD der Translokationen an 24 Chromosomen (CGH array)
  • PGD der monogen erblichen Krankheiten

Alle Methoden der assistierten Reproduktion und der Präimplantationsdiagnostik (PID/PGD) werden laut Gesetzgebung der Tschechischen Republik durchgeführt.

Das ganze Repromeda Team, steht Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung und ist bereit, die ganze Behandlung und Ihren Aufenthalt an Ihre zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten anzupassen.


Leben aus dem Labor – Wie weit darf der Mensch gehen?

Auch in Deutschland sollen bald umstrittene Embryonenspenden möglich sein. Nach dem Klon-Erfolg von US-Forschern stellt sich einmal mehr die Frage: Wie weit darf der Mensch gehen? Von Stefanie Roth und Daniel Wirsching

Viele Paare wünschen sich ein eigenes Kind. Doch was, wenn dieser Wunsch nicht Wirklichkeit werden will? Eine Embryonenspende könnte es künftig Frauen, die etwa nach einer Erkrankung keine Eizellen bilden können, auch in Deutschland ermöglichen, selbst ein Kind auf die Welt zu bringen – indem ihnen ein Embryo von einem fremden Paar eingepflanzt wird. Gegen Jahresende soll die ethisch höchst umstrittene Embryonenspende bundesweit möglich sein: In den Kinderwunschzentren laufen die Vorbereitungen.

Was passiert ab jetzt mit eingelagerten Embryonen?

Das hat Hans-Peter Eiden unserer Zeitung erklärt. Eiden ist Geschäftsführer des Berufsverbandes Reproduktionsmedizin Bayern (BRB) sowie von OrgaCare, einem Unternehmen aus Dillingen an der Donau. Das hat sich auf die Übernahme von Geschäftsführungen im Bereich Gesundheitswesen spezialisiert und führt die Geschäfte des BRB. Vor drei Jahren beauftragte der Verband die inzwischen emeritierte Professorin Monika Frommel mit einem juristischen Gutachten zur Embryonenspende. Aus dem Gutachten, auf das sich Eiden nun stützt, geht hervor: Die Embryonenspende ist in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen legal. Sie sei lediglich noch nicht praktiziert worden, weil das Embryonenschutzgesetz jahrzehntelang falsch ausgelegt worden sei. Dem Gesetz zufolge dürfen Embryonen allerdings nicht gezielt für eine Spende hergestellt werden.

Es geht also um die Frage, was mit bereits eingelagerten Embryonen passiert, die ein Paar nach einer Kinderwunschbehandlung nicht mehr benötigt, etwa weil es kein zweites Kind mehr möchte. In solchen Fällen wurden überzählige Embryonen bislang vernichtet. Jetzt soll sie ein Paar zur Spende freigeben können. Mutter eines Kindes ist „die Frau, die es geboren hat“, steht im Bürgerlichen Gesetzbuch. Eizellspende und Leihmutterschaft sind verboten. „Seit 23 Jahren wird die Lüge aufrechterhalten, das Embryonenschutzgesetz sei illiberal“, sagt die Strafrechtlerin Monika Frommel, die unter anderem Mitglied im Beirat der kirchenkritischen Bürgerrechtsorganisation Humanistische Union ist.

Kein generelles Verbot der Embryonenspende im Gesetz

„Die Rechtslage ist geklärt“, findet Hans-Peter Eiden. Oliver Ewald, ein Sprecher des zuständigen Bundesgesundheitsministeriums, bestätigt schriftlich: „Das Embryonenschutzgesetz vom 13. Dezember 1990 (…) enthält kein generelles Verbot der Embryonenspende.“ In einer „Expertise Reproduktives Reisen“ der Schwangeren- und Sexualberatungsstelle Pro Familia aus dem Jahr 2008 heißt es: „Üblicherweise wird davon ausgegangen, dass die Embryonenspende in Deutschland verboten ist.“ Sie sei aber in Ausnahmefällen möglich, „beispielsweise wenn die Übertragung der Embryonen wegen Todes, Krankheit oder Sinneswandels der Wunschmutter unmöglich sei“. Und weiter: „Bislang wurde in Deutschland jedoch kein Fall bekannt, in dem gespendete Embryonen auf eine Wunschmutter übertragen wurden.“

Der Berufsverband Reproduktionsmedizin hat sich neben Frommel auch an die Bioethik-Kommission der Bayerischen Staatsregierung gewandt. Diese gebe weder eine Handlungsempfehlung noch bezeichne sie die Embryonenspende als verboten, fasst Eiden ein Antwortschreiben zusammen.

Die Kinderwunschpraxis Dr. Hiller, Bauer und Kraus in Augsburg zählt zu den 21 Kinderwunschzentren Bayerns. Im Labor sind bei minus 196 Grad Celsius Spermien und befruchtete Eizellen in flüssigem Stickstoff „kryokonserviert“, das heißt eingefroren und aufbewahrt. „Nicht immer kommt es beim ersten Versuch zu einer Schwangerschaft“, erklärt Dr. Tom Bauer. Darum müsse man der Frau bei einer Kinderwunschbehandlung mehrere Eizellen entnehmen und befruchten, um sie ihr später wieder einzupflanzen. Nach dem Gesetz dürfen einer Frau maximal drei Embryonen innerhalb eines Zyklus übertragen werden. „Es darf nie das Ziel sein, überzählige Embryonen zu bekommen“, sagt er.

Kirchenvertreter sehen wissenschaftlichen Fortschritt mit gemischten Gefühlen

Kirchenvertreter begegnen dem Thema Embryonenspende mit äußerst gemischten Gefühlen. „Im Sinne des Lebensschutzes wäre es sinnvoll, wenn man möglichst vielen Embryonen die Chance auf Leben gibt“, sagt der katholische Prämonstratenser-Pater Joachim Hagel, Professor für Moraltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Benediktbeuern. „Die Spende des eigenen Embryos ist für ein Paar aber belastend.“

Michael Grabow, evangelisch-lutherischer Regionalbischof im Kirchenkreis Augsburg und Schwaben, sagt ebenfalls: „Natürlich ist es immer noch besser, wenn ein außerhalb des Mutterleibes entstandener Embryo eine Lebensmöglichkeit bekommt, als vernichtet zu werden.“

Eine Spende könne er sich jedoch prinzipiell nur unter bestimmten Bedingungen vorstellen: Es dürfe „keine Auswahl von Embryonen nach genetischen, äußerlichen oder sozialen Merkmalen geben“. Jegliche Kommerzialisierung müsse ausgeschlossen werden und die Rechte des Kindes auf Information über seine genetischen Eltern müssten gewährleistet und rechtlich klar geregelt sein. „Leider gibt es bereits in anderen Ländern Zentren, die Embryonen gezielt produzieren und kommerziell verwerten“, sagt Grabow.

In Spanien, Tschechien oder Frankreich ist die Embryonenspende erlaubt. Dies führt zu ethisch überaus fragwürdigen Angeboten. Sie richten sich an Paare mit Kinderwunsch aus aller Welt. So wirbt eine russische Reproduktionsklinik mit einer „Reihe von Optionen bei der Embryonenspende, die Ihren Wünschen und Ihrem Geldbeutel angepasst sind“. Es würden etwa Embryonen zur Verfügung gestellt, die „professionelle“ Ei- und Samenzellenspender „direkt an die Klinik gespendet“ hätten. Das Durchschnittsalter der Spenderinnen liege bei 26 Jahren, sie seien „attraktiv“ und „intelligent“. Die Empfängerinnen der Spenden können nach russischem Gesetz, so heißt es auf der Internetseite der Klinik weiter, Frauen sein, „die nicht älter als 51 Jahre sind“. Sie könnten „entweder verheiratet sein, in einer festen Beziehung (heterosexuell oder gleichgeschlechtlich) leben oder aber auch alleinstehend sein“. Eine „Embryonenspende mit frischen Embryonen“ koste 4790 Euro.

Zentrale Datenbank für Embryonenspenden in Dillingen

Hans-Peter Eiden vom Berufsverband Reproduktionsmedizin Bayern betont mit Blick auf Embryonenspenden im Ausland, dass diese in Deutschland als „Non-Profit-Organisation“ abgewickelt sein müssten und unter keinen Umständen in den kommerziellen Bereich abgleiten dürften: Es müssten allein Verwaltungskosten von schätzungsweise 100 bis 150 Euro abgedeckt werden. In Dillingen soll nun eine zentrale Datenbank für Embryonenspenden angelegt werden. „Es sind ganz wenige Embryonen, die bundesweit lagern“, warnt Eiden vor überzogenen Erwartungen von Paaren mit Kinderwunsch. Nach Auskunft von Dr. Ulrich Megerle, Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesärztekammer, kommen Verfahrensregeln „demnächst“.

Quelle: www.augsburger-allgemeine.de


Ein Entwurf für ein zeitgemäßes Fortpflanzungsmedizingesetz 2

Augsburger und Münchner Juristen stellen in Form des AME-FMedG eine grundsätzliche Novellierung des Fortpflanzungsmedizinrechts für die Bundesrepublik Deutschland vor.

Augsburg/München/HR/KPP – Sechs Medizin- und Gesundheitsrechtler der Universität Augsburg und der Ludwig-Maximilians-Universität München haben einen Gesetzentwurf für ein zeitgemäßes Fortpflanzungsmedizingesetz vorgelegt: den AME-FMedG (Fortpflanzungsmedizingesetz – Augsburg-Münchner-Entwurf). Dieser Entwurf stellt eine grundsätzliche Novellierung des Fortpflanzungsmedizinrechts für die Bundesrepublik Deutschland vor. Vorgeschlagen werden Neuregelungen für die künstliche Befruchtung, die Präimplantationsdiagnostik (PID), die Samen- und Eizellspende, den Embryonentransfer und die Leihmutterschaft sowie für den Umgang mit „überzähligen“ Embryonen. Missbräuchliche Fortpflanzungstechniken wie das Klonen sollen grundsätzlich untersagt werden.

Das Warten auf ein Fortpflanzungsmedizingesetz ist in Deutschland weit verbreitet. Das Embryonenschutzgesetz aus dem Jahre 1990 ist in seinen biomedizinischen wie rechtlichen Grundlagen veraltet und heute nicht mehr zeitgemäß. Allerdings scheitern Novellierungsversuche seit Jahren am Streit um den verfassungsrechtlichen Status des Embryos.

Sechs Juraprofessoren der Universität Augsburg und der Ludwig-Maximilians-Universität München haben sich mit diesem unbefriedigenden Zustand nicht abfinden wollen. Die Medizin- und Gesundheitsrechtler Gassner, Lindner und Rosenau (Augsburg) sowie Kersten, Krüger und Schroth (München) haben daher in den vergangenen zwei Jahren unter Mitwirkung der Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Dorneck und von Wietersheim einen Gesetzentwurf für ein zeitgemäßes Fortpflanzungsmedizingesetz erarbeitet: den AME-FMedG (Fortpflanzungsmedizingesetz – Augsburg-Münchner-Entwurf).

Weitreichender Konsens

Dabei hat sich gezeigt, dass jenseits der Frage nach dem Status des Embryos und trotz unterschiedlicher biopolitischer Positionen ein weitreichender Konsens über die Regelungen eines Fortpflanzungsmedizingesetzes zu erreichen war, der insbesondere die verfassungsrechtlichen Vorgaben konsequent achtet und die aktuellen Fragen der modernen Biomedizin und Fortpflanzungstechnik ebenso praktikabel wie vertretbar löst. Aus einer in dieser Form einzigartigen Zusammenarbeit zweier deutscher juristischer Fakultäten ist ein Gesetzentwurf hervorgegangen, mit dem Deutschland Anschluss an den modernen Stand der Gesetzestechnik auf dem Feld der Biopolitik fände, wie ihn etwa Österreich und die Schweiz bereits erreicht haben. Die Autoren des AME-FMedG hoffen daher, dass ihre Vorschläge beim Deutschen Bundestag auf Resonanz stoßen

Umfassend und in sich konsistent

Der AME-FMedG regelt in 29 Paragraphen umfassend und in sich konsistent den Bereich der Fortpflanzungsmedizin. Er geht dabei von einem verfassungsrechtlich verbürgten subjektiven Anspruch jedermanns aus, ein Verfahren der medizinisch unterstützten Fortpflanzung in Anspruch zu nehmen. Die Einschränkung eines solchen Grundrechts auf reproduktive Selbstbestimmung ist verfassungsrechtlich nur dann legitimierbar, wenn diese selbst nach rationalen Kriterien verfassungsrechtlich gerechtfertigt werden können. Daraus folgt im Einzelnen, dass etwa die Präimplantationsdiagnostik (PID) über die derzeitige Rechtslage hinaus dann zulässig ist, wenn ein Schwangerschaftsabbruch von Rechts wegen zu akzeptieren wäre. Neben der Samenzellenspende wird auch die Eizellspende für zulässig gehalten, denn das bisherige Verbot der Eizellspende ist mit rationalen Überlegungen nicht begründbar. Gleiches gilt für die Leihmutterschaft, weil es keinen Anhaltspunkt gibt, dass das Kindeswohl bei gespaltener Mutterschaft Schaden nimmt. Ausdrücklich wird der Embryonentransfer zugelassen, weil so der Embryo am weitestgehenden geschützt werden kann.

Geregelt und grundsätzlich verboten werden missbräuchliche Fortpflanzungstechniken. Aber auch hier sieht der Gesetzentwurf jeweils Differenzierungen vor. Zu diesen Techniken gehört die Geschlechtswahl, die nur zulässig ist, wenn eine medizinische Indikation vorliegt. Ferner zählt dazu die Keimbahnintervention, die erst dann zulässig sein wird, wenn das Verfahren in der Zukunft sicher ist und es dazu dient, schwerwiegende Beeinträchtigungen des körperlichen oder psychischen Gesundheitszustandes zu verhindern. Beim Klonen wird ein Alternativvorschlag vorgelegt: Entweder wird das Klonen umfassend untersagt oder aber – alternativ dazu – nur das reproduktive Klonen, so dass das sogenannte therapeutische Klonen also möglich bliebe. Untersagt wird auch die Chimären- und Hybridbildung, soweit sie nicht etwa im Rahmen der Xenotransplantation erfolgt. Ausdrücklich geregelt wird hier auch die Möglichkeit der Forschung an überzähligen Embryonen einschließlich der Gewinnung von Stammzellen. Im Entwurf folgen schließlich detaillierte Regelungen zum Arztvorbehalt, zur Aufklärung, Beratung, Einwilligung, Dokumentation und zum Auskunftsrecht der Beteiligten, und es wird – den bewährten Einrichtungen aus anderen Gesundheitsbereichen nachgebildet – eine Fortpflanzungsmedizin-Kommission eingerichtet.

Der Gesetzentwurf und die Begründungen zu den einzelnen Bestimmungen sind unter dem Titel „Fortpflanzungsmedizingesetz. Augsburg-Münchner-Entwurf“ soeben im Verlag Mohr Siebeck, Tübingen, erschienen. Er ist unter der ISBN 978-3-16-152382-3 zu beziehen und kostet 19,00 Euro (siehe http://www.mohr.de/rechtswissenschaft/fachgebiete/alle-buecher/buch/fortpflanzun…)

Quelle: http://www.idw-online.de/