Gynäkologe


Künstliche Befruchtung ist stark reglementiert

Im Jahr 2012 wurden 123 000 Kinder geboren, die es ohne Kinderwunschbehandlung nicht gegeben hätte. „Das ist eine Stadt wie Offenbach“, sagt Reproduktionsmediziner Konstantin Manolopoulos. Doch die künstliche Befruchtung ist in Deutschland stark reglementiert, während die Politik Wege sucht, die Geburtenrate in die Höhe zu treiben.

2013 wurden 678 000 Kinder geboren, so wenig waren es seit 1945 noch nie. Um sich in einer Kinderwunschklinik behandeln zu lassen, darf die Frau nicht jünger als 25, nicht älter als 40 Jahre und muss verheiratet sein.

Gleichgeschlechtliche Paare sind ausgeschlossen. Drei Versuche sind möglich, drei künstlich befruchtete Eizellen dürfen der Frau jeweils maximal eingesetzt werden. Der Rest wird eingefroren, noch bevor die Zellteilung beginnt. Könnten die Mediziner alle Eizellen sich kultivieren lassen, könnten sie die am besten entwickelten einsetzen. Schließlich sind 40 Prozent aller Embryonen, die auf natürliche Weise oder nach künstlicher Befruchtung entstehen, nicht überlebensfähig. So entscheidet der Zufall.

Diskussion geht nicht vorwärts

Konstantin Manolopoulos versteht nicht, warum „ein Zellhaufen“ mehr zählt, als ein Fötus in der zwölften Schwangerschaftswoche, der nach einer Beratung abgetrieben werden darf. Hat das Kind einen genetischen Defekt, ist eine Abtreibung auch danach noch möglich. „Die eine Frau hat das Recht auf ein gesundes Kind, die andere nicht“, sagt Manolopoulos. Er finde das paradox. Die ethische Diskussion dazu gehe seit Jahren nicht vorwärts.

Den Mediziner ärgert die starke Reglementierung. Sie trage dem gesellschaftlichen Wandel keine Rechnung: Vor allem Frauen entschieden sich nunmal immer später für das erste Kind. Wegen langer Ausbildungen, befristeten Beschäftigungsverhältnissen, dem viel beschworenen Karriereknick, der schlechten Kinderbetreuung.

Währenddessen sinke die Fruchtbarkeit. „Da muss die Gesellschaft eingreifen und Strukturen schaffen, die das verhindern“, sagt Manolopoulos. „Die Frauen, die zu uns ins Kinderwunschzentrum kommen, werden immer älter. Der Durchschnitt liegt bei 38 Jahren. Aber für manche ist es auch schon zu spät.“ Die Eizellspende, die in Deutschland verboten ist, sei einer der häufigsten Gründe für Paare, ins Ausland zu gehen.

Auch, dass die meisten gesetzlichen Kassen die Kosten nur zur Hälfte übernehmen, findet der Gynäkologe nicht in Ordnung. „Er habe oft Paare vor sich sitzen, die sich die Kosten von 1500 bis 2000 Euro pro Versuch nicht leisten können. Dabei bringe ein Kind dem Staat später als Steuerzahler mehr ein, als er für die Kinderwunschbehandlung seiner Eltern ausgeben müsste.

Quelle: http://www.fr-online.de