Österreich


Eizellenspende fördert Gesundheits-Tourismus

Bei Eizellenspenden gebe es einen „Tourismus“ aus Deutschland, meint Leonhard Loimer, Leiter der Kinderwunschklinik Wels

Wels – Die Ende Februar in Kraft getretene Novelle zum Fortpflanzungsmedizingesetz hat unter bestimmten Bedingungen die Möglichkeit der Eizellspende und der künstlichen Befruchtung für homosexuelle Paare gebracht. Bei den Eizellenspenden gebe es einen „Tourismus“ aus Deutschland, wie Vertreter der Kinderwunschklinik Wels berichten.

Es herrsche eine „unglaubliche Nachfrage“, sagt Leonhard Loimer, Gründer der Kinderwunschklinik. Vier bis fünf Paare pro Tag würden in seinem Institut beraten, viele aus Deutschland. Vier Eizellen seien bisher eingesetzt worden, zwei Frauen sind bereits schwanger, „bei den anderen beiden warten wir noch auf den Schwangerschaftstest“.

Da Spenderinnen kein Geld bekommen dürfen und auch ein Vermittlungsverbot bestehe, seien sie Mangelware und kommen daher meist aus der eigenen Familie – etwa die jüngere Schwester der Frau. Den Betroffenen wäre eine fremde Spenderin aber meist lieber: „Sie fürchten, dass sich die Schwester dann in die Erziehung einmischt“, so Loimer.

Kritik am Vermittlungsverbot

Das Vermittlungsverbot bedeutet, dass Frauen, die für die Verwirklichung ihres Kinderwunsches auf eine Eizellspende angewiesen sind, sich selber eine Spenderin suchen müssen. Sprich, die Patientin muss eine Bekannte, Freundin oder eine Verwandte finden, die sich bereit erklärt, ihr Eizellen zu spenden.

Vom ursprünglich fortschrittlichen Entwurf ist kaum etwas übrig geblieben, meint Andreas Obruca, Leiter des Kinderwunschzentrums Goldenes Kreuz in Wien: „Das Vermittlungsverbot, also die Beschränkung der Eizellspende auf die Bekannten- und Verwandtenspende, hat den Kreis jener Paare, die eine solche in Anspruch nehmen können, bereits massiv reduziert.“

Das Gesetz wurde zusätzlich mit der Beschränkung beschlossen, dass der Spenderin nur Barauslagen gegen Beleg ersetzt werden. „Die Spenderin bekommt einen Fahrschein oder ein Zugticket ersetzt. Für eine Eizellspende sind aber mehrere Termine erforderlich, und die Spenderin wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit Urlaubstage nehmen müssen. Das heißt, sie muss mehrere Dinge in Kauf nehmen, die ihr nicht ersetzt werden“, so Obruca.

Quelle: http://derstandard.at


Österreichisches Gesetz wird novelliert

In Österreich ist sehr vieles von dem, was fortpflanzungstechnisch möglich ist, gesetzlich verboten. Die aus dem Jahr 1992 stammende Regelung muss nun novelliert werden. Über die Inhalte wird heftig diskutiert. Die Extrempole: „volle Autonomie für die Frau“ versus „strikte Regelung mit Ausnahmen“.

Fortpflanzungsmedizin 03.11.2014

Das für die Ausarbeitung der Novelle gemeinsam mit dem Justizressort zuständige Gesundheitsministerium lehnt auf Anfrage jede Stellungnahme ab, „weil die Verhandlungen durch vorschnelle Äußerungen nicht torpediert werden sollen“. Die kritischen Punkte lassen sich dennoch benennen – und auch die Positionen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen dazu.

Samenspende für lesbische Paare

Dass das österreichische Fortpflanzungsmedizingesetz nun novelliert wird, liegt nicht an der aktuellen Debatte über Sinn und Unsinn von „Social Egg Freezing“, Embryonenkindern und Eizellspende. Auslöser war vielmehr der Verfassungsgerichtshof, der es am 10. Dezember 2013 als verfassungswidrig erkannte, dass lesbischen Paaren in Österreich per Gesetz der Zugang zur Samenspende verweigert wird.

Dass homosexuellen Paaren und allein lebenden Frauen der Weg zu medizinisch unterstützter Fortpflanzung frei gemacht wird, hatte zuvor auch schon die Bioethikkommission festgestellt, die die Regierung in derartigen Fragen berät.

Vorschläge der Bioethikkommission

Christiane Druml, Vorsitzende der Kommission und Vize-Rektorin der Medizin-Uni Wien, hebt neben der auch vom Verfassungsgerichtshof beanstandeten Benachteiligung weitere Punkte hervor, in denen das mittlerweile 22 Jahre alte Gesetz geändert werden sollte:

„Die Samenspende sollte bei In-Vitro-Fertilisationen erlaubt werden. Auch die Eizellspende sollte erlaubt werden, wobei natürlich einige Bedingungen erfüllt werden müssen, damit es zu keiner Ausbeutung von Frauen kommt. Hier wäre auch eine Altersgrenze nötig. Außerdem müssten Kinder, die aus einer Eizellspende hervorgegangen sind, ebenso das Recht auf Auskunft über ihre biologische Herkunft erhalten, wie es schon bei der Samenzelle der Fall ist. Und auch mit der Embryonenspende wird man sich befassen müssen.“

Außerdem hat sich die Bioethikkommission – unter Auflagen – für die Legalisierung der Präimplantationsdiagnostik ausgesprochen, also die Überprüfung eines künstlich erzeugten Embryos auf schwere genetische Erkrankungen.

Verbot mit Ausnahmen

Eine ganze Reihe von Punkten also, die die Bioethikkommission hier vorgelegt hat. Ob und wie sie allerdings in Gesetzesform umgesetzt werden sollen, dazu hat ein heftiges Tauziehen zwischen unterschiedlichen Gruppen eingesetzt. Auf der einen Seite stehen Organisationen wie beispielsweise die „Aktion Leben“ – nicht zu verwechseln mit radikalen Anti-Abtreibungs-Organisationen, die teilweise ähnlich lautende Namen haben.

„Aktion Leben“-Generalsekretärin Martina Kronthaler räumt durchaus ein, dass sich seit 1992, dem Beschlussjahr des derzeit geltenden Gesetzes, viel verändert hat: „Wir haben völlig neue Techniken wie beispielsweise die Eizellspende oder auch das Einfrieren von Eizellen, was früher nicht möglich war.“ Trotzdem sagt sie sich zur Novelle: „Wir denken, dass es gut ist, gewisse Techniken zu verbieten, und dann Ausnahmen zu definieren.“

Als Beispiel nennt sie die Präimplantationsdiagnostik: „Es ist nicht in unserem Sinn, dass einer Frau im Rahmen einer künstlichen Befruchtung ein Embryo eingesetzt wird, der sich niemals weiterentwickelt. Das wäre für uns eine solche Ausnahme, bei der diese Technik angewandt werden sollte.“ Grundsätzlich betont sie auch den Kinderschutz: „Was bedeutet es für ein Kind, wenn es später erfahren muss, dass es aus einem übrig gebliebenen Embryo entstanden ist und letztlich verschenkt wurde?“

„Lebensweg selbst bestimmen“

Eine ganz andere Position zum Gesetz nimmt der Mediziner Josef Zech ein, der in Innsbruck eine private Kinderwunschklinik betreibt. Derzeit behandeln sein Team und er 700 Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch. Während ihrer mittlerweile 20-jährigen Tätigkeit hat seine Klinik bei der Entstehung von rund 10.000 Kindern mitgeholfen. Er erhofft sich, dass das Gesetz „wesentlich toleranter gestaltet wird und auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingegangen wird“.

Unerfüllter Kinderwunsch sei eine extreme psychische Belastung, und diesen Menschen zu sagen, dass sie eben ins Ausland gehen sollen, empfindet er als „extrem zynisch“. Josef Zech: „Es sollten in Europa gemeinsame Regeln gelten, damit es nicht mehr zum Tourismus kommt. Und sind die Franzosen, Briten oder Spanier wirklich so viel weniger moralisch als wir, weil sie viele medizinische Techniken erlauben, die bei uns verboten sind?“ Seiner Erfahrung nach hätten die Kinder kein Problem, mit ihrer Herkunft und Entstehungsgeschichte umzugehen – wenn sie denn von den Eltern offen kommuniziert wird. „Dazu rate ich ausdrücklich.“

Sein Prinzip beschreibt er mit den Worten: „Es muss jeder Frau selbst überlassen sein, ihren Lebensweg zu bestimmen.“ Diese Aussage unterstreicht auch Christiane Druml von der Bioethikkommission: „Frauen haben heute einen anderen Lebensplan als noch vor 20 Jahren, weshalb auch der reproduktiven Autonomie ein anderer Stellenwert zukommt.“

Geringe Chancen auf großen Wurf

Dass Frauen beispielsweise mit dem Einfrieren von Eizellen ihre Autonomie tatsächlich erweitern, bezweifelt hingegen Martina Kronthaler von der „Aktion Leben“: „Je mehr Frauen ihre Fruchtbarkeit um dieser sogenannten Freiheit Willen manipulieren, umso weniger Änderungsbedarf besteht in der Wirtschaft, in der Politik und bei den Männern.“ Hier werde letztliche eine medizinische Lösung für das soziale Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie suggeriert.

Es ist letztlich diese gesellschaftspolitische Debatte über Selbstverständnis und Rolle der Frau, die sich in den Verhandlungen zum Fortpflanzungsmedizingesetz spiegelt. Insofern schätzen Experten es als eher unwahrscheinlich ein, dass die Novelle ein großer Wurf wird. Zu weit würden die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP in diesen Fragen auseinander liegen. Genaueres wird man wohl erst Ende des Jahres wissen. Bis dahin soll – so die Auskunft aus dem Gesundheitsministerium – die Novelle des Fortpflanzungsmedizingesetzes fertig sein.

Elke Ziegler, science.ORF.at


Kirchliches Bioethik-Institut fordert internationales Klonverbot Dieser Text stammt von der Webseite http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/62447.html des Internetauftritts der Katholischen Presseagentur Österreich.

Das in Wien beheimatete Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) hat sich für ein endgültiges weltweites Verbot des Klonens von Menschen zu Forschungs- oder reproduktiven Zwecken ausgesprochen. Angesichts verfügbarer neuerer Methoden seien die Verfahren überflüssig und zudem ethisch nicht tragbar, zumal menschliche Embryonen zu Objekten degradiert und zerstört würden, heißt es in einer Mitteilung des kirchlichen Instituts. „Ein zentraler, noch kaum thematisierter Kritikpunkt ist dabei die Frage der Eizellen-Gewinnung“, so IMABE-Sprecherin Susanne Kummer gegenüber „Kathpress“.

Derzeit beobachtet das IMABE-Institut einen regelrechten „Wettlauf“ im Kampf um Ergebnisse des sogenannten „therapeutischen Klonens“: Innerhalb nur eines Jahres habe es bereits drei Berichte über erfolgreich durchgeführte derartige Versuche gegeben, jüngst etwa von der privat finanzierten „The New York Stem Cell Foundation“. Deren Forscher um Dieter Egli gaben im Fachjournal „Nature“ an, aus Hautzellen einer 32-jährigen Patientin mit erblicher Zuckerkrankheit embryonale Stammzellen geklont zu haben.

Für dieses ethisch hoch umstrittene Verfahren wird das Erbgut aus einer Zelle des Patienten in eine gespendete, entkernte menschliche Eizelle übertragen. Mittels Zellkerntransfers werden Embryonen geschaffen, die das Blastozysten-Stadium erreichen. Beabsichtigt wird bei dieser Technik die Gewinnung patientenspezifischer Stammzellen aus den nicht abgestoßenen Klon-Embryonen, um damit Krankheiten zu heilen. Etwa im Fall der Diabetikerin sollen aus den geklonten Zellen jene insulinproduzierenden Beta-Zellen erzeugt werden, die im Zuge der Zuckerkrankheit absterben und ersetzt werden sollen.

USA: Eizellspende gegen Bezahlung

Den Angaben zufolge konnte am Ende eine von zehn Spendereizellen bis zum Blastozysten-Stadium kultiviert werden. Insgesamt benötigte das Experiment 571 Eizellen von Frauen, die sich dafür alle einer hormonellen Behandlung unterziehen mussten. Ermöglicht wurde dies durch ein eigens an der öffentlich finanzierten Columbia University eingerichtetes Programm zur Eizellspende gegen Bezahlung – eine Prozedur, die laut IMABE wegen der hohen Hormonbelastung in Österreich ebenso verboten ist wie das Klonen menschlicher Zellen. Zurück geht dies in den USA auf eine Aufforderung Eglis im Jahr 2011 an den Gesetzgeber, er solle einen Markt für Eizellenspende für die eigene wissenschaftliche Arbeit zuzulassen.

Bei ihrer Forderung nach einem internationalen Klonverbot von Menschen, für das die Vereinten Nationen 2003 bereits einmal einen Anlauf nahmen, stützt sich das IMABE-Institut u.a. auf die Einschätzung des Münchner Molekularbiologen Eckhard Wolf, der selbst Rinder und Schweine zu Forschungszwecken klont und das Experiment nicht als therapeutischen Durchbruch sieht: Das Kerntransfer-Verfahren sei für die Entwicklung einer Routinetherapie „nicht effizient genug“. Dem Kölner Stammzellforscher Jürgen Hescheler zufolge seien Eglis Ergebnisse „keine Sensation“, zumal die wichtigsten Eigenschaften embryonaler Stammzellen auch über die ethisch unbedenklichen induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) erzielbar seien.

Weiters verweist IMABE auch auf die Kritik an Intransparenz und Interessenskonflikten von Autoren, Fachzeitschriften und privaten Geldgebern der embryonalen Stammzellforschung, die das Center for Genetics and Society bereits mehrfach geäußert hat.

Dieser Text stammt von der Webseite http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/62447.html des Internetauftritts der Katholischen Presseagentur Österreich.